Sportgenie

Damals war ich, 13 Jahre alt, im Sport genau das, was man eine „Niete“ nennt. Der junge Sportlehrer des Collegium Liborianum war „brutal“, nett und hilfreich zugleich: Er bot mir als Zeugnis-Note eine 4 (ausreichend) an, wenn ich, der Nichtschwimmer, an einer Ecke der Turm-Seite einfach nur ins Becken springen würde.

Klar, ich hatte Angst vor dem tiefen Wasser, in dem ich nicht mehr stehen konnte – obwohl ich schon viel Zeit mit Trocken-Schwimm-Übungen bäuchlings auf den Fliesen verbracht hatte.

Die von mir gewünschten Lebensretter im Becken wurden mir gewährt; sie waren auch sofort bereit und ich sprang. Umgehend mußte ich die Retter abwehren, weil ich wider Erwarten nicht unterging und es mir sofort sehr viel Freude machte, mich im tiefen Wasser frei zu bewegen.

Manchmal tut es gut, wenn man einfach ins tiefe Wasser geschubst wird. Denn manchmal sind theoretische Konzepte und theoretische Vorbereitungen, ist das viele Denken selbst… bloß hinderlich, aber die Erfahrung – erfrischend einfach.

Sprungturm+

Zufriedenheit

Genügsamkeit ist
natürlicher Reichtum,
Luxus ist künstliche Armut. 

Sokrates

Ja, das ist so.
Das Wort Genügsamkeit würde ich aber gerne gegen Zufriedenheit austauschen,
weil Genügsamkeit Assoziationen von „sich selbst auferlegtem Zwang“ ermöglicht.

Die Jagd nach Reichtum
ist Ausdruck von Armut.

Zufriedenheit ist Reichtum.

Leichtsinn

Sei gütig…, denn alle Menschen,
denen du begegnest,
kämpfen einen schweren Kampf. 

– Platon

Ja, die Menschen haben es mit dem Kämpfen. Eher selten sieht man einen von ihnen leichtfüßig daher tänzeln… 

Selbst die Kinder verlieren schon früh ihren Leichtsinn. Und bald nehmen auch sie es auf, das massive Schwert und mühen sich mit ihm ab.

Der Sinn für Leichtigkeit ist mit „Leichtsinn“ besetzt und also diffamiert worden. Dagegen gilt „Ernsthaftigkeit“ als seriös. Denn in der Schwingung von Leichtigkeit lassen sich keine Kämpfe und keine Kriege austragen! Das geht nur „mit dem nötigen Ernst“. 

Vielleicht
entdecken wir irgendwann
im Leichtsinn mal wieder den höheren Wert.


So wie es aussieht, wurde das Zitat dem Platon untergeschoben. Autor ist (im Jahr 1897) ein schottischer Priester: „Be pitiful, for every man is fighting a hard battle.“ ― Ian Maclaren         (Falschzitate)

Quanten-Mysterium

Die Teilchenphysiker staunen darüber, daß die Teilchen sich, wenn sie hinsehen, zwar wie Teilchen verhalten, daß sich diese aber, sobald sie nicht hinsehen, wie Wellen verhalten, ein Interferenz-Muster bilden.

Das könnte ja bedeuten, daß wenn wir die Augen schließen, alles Energie ist, aber wenn wir morgens die Augen öffnen, die Welt uns wie feste Materie erscheint.

Albert Einstein soll Niels Bohr mal gefragt haben: „Glauben Sie wirklich, daß der Mond nicht da ist, wenn keiner hinsieht?“ Und Bohr soll ihm geantwortet haben: „Beweisen Sie mir doch das Gegenteil!“

Außerdem ändern die Teilchen sowohl die Richtung, als auch ihre Eigenschaften – allein durch Beobachtung.

Ein Hinweis, daß nicht mehr nur dem Objekt, sondern jetzt auch dem Beobachter selbst mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden sollte. Die Bedeutung des Beobachters bekommt nun ein neues, ein viel stärkeres Gewicht.

Einstein kritisiert darauf hin die Quantenphysik, weil sie seinem „gesunden Menschen-Verstand extrem widerspricht“.

Aber so ist das, wenn das Kleinere (der Verstand) das Größere (das Leben) begreifen will. Mit der kleinen Logik, die wir uns gebastelt haben, können  wir nichts Bedeutendes vom Leben erfahren.

Einstein kritisierte auch, daß der Zufall in der Quantenwelt eine völlig neue Rolle spiele. Aber das, was wir Zufall nennen, zeigt sich als Teil einer Ordnung, die wir (noch) nicht verstehen.

Mit Zollstock, Waage und Rechenschieber können wir uns in unserer unmittelbaren Umgebung zwar einigen Komfort erarbeiten, aber mittels Wissenschaft erschließen sich uns über ihre primitiven Methoden und unser begrenztes Denk-Volumen… nur Banalitäten.

Max Planck, Materie, Energie, Nirmalo,

Lehrer

Malala Yousafzai, eine junge Pakistani, bietet ein Beispiel dafür, daß Weisheit keine Frage von Lebensjahren ist. Wir können uns also nicht rausreden.

Auf eine bescheiden anmutende, aber eindrückliche Weise nimmt Malala die Rolle der Lehrenden ein und füllt diese auf ihre Weise aus.

Ihre Rede im Plenum des Treuhandrats der Vereinten Nationen an ihrem 16. Geburtstag war ihr erster öffentlicher Auftritt nach dem Anschlag auf ihr Leben, bei dem sie einen Kopfschuß erlitt.

Sie repräsentiert den Typus Lehrer (5), dessen Intention aus der Weisheit (6) und dem Mitgefühl, der Liebe (7) gespeist wird.

Hier im  Gespräch mit Markus Lanz  (28 Minuten)

Kommunikation

Zu viele Menschen machen sich nicht klar, daß wirkliche Kommunikation eine wechselseitige Sache ist.

Lee Iacocca                 

Lauterkeit in der Kommunikation

Eine Äußerung ist dann lauter,
wenn sie in der Absicht… klar,
offen, ehrlich und achtend ist.

Selbst eine starke, aber authentische Emotion (wie z.B. Wut) ist ein weit geringeres Problem, denn Falschheit. 

Die Kriterien

01. Klarheit… im Ausdruck
02. Sparsamkeit… in der Wortmenge
03. Einfachheit… in der Formulierung
04. Sachlichkeit… in der Aussage
05. Ehrlichkeit… in der Absicht
06. Achtung… im Persönlichen; Anerkennung des Anderen
07. Offenheit… im Zuhören; im Verstehen-wollen
08. Bereitschaft… zu Einsicht und Erkenntnis
09. Akzeptanz… der besseren Idee, des stichhaltigen Arguments
10. Einverständnis… grundsätzlich dem Ego nicht viel Raum zu geben

Ergänzend für die schriftliche Kommunikation:

11. Zitate… als solche kennzeichnen + Nennung des Autors
12. Zitieren… knapp, aber präzise – damit jeder Leser weiß,
      auf welchen Satz(teil) genau sich der Antwortende bezieht.

Je reifer die Beteiligten, desto weniger strapazieren sie die „persönliche“ Ego-Ebene (2), desto mehr sind sie in der Lage „zur Sache“, also thematisch zu kommunizieren (4) und desto mehr werden sie sich von den höheren Ebenen, beispielsweise von der Weisheit (6) inspirieren lassen.

Über all solchen Empfehlungen darf ein Wert nicht aus dem Blick geraten: Die Freiheit der Rede, insgesamt die Freiheit im Ausdruck.

Erheblich begünstigt wird eine reibungslose, aber konstruktive Interaktion durch die insgesamt heitere Grundstimmung der Teilnehmer. Leichtigkeit. . .  sollte erwünscht sein. 😎

Kommunikation – im Spiegel der Reife

Eine Diskussion ist unmöglich mit jemandem, der vorgibt, die Wahrheit nicht zu suchen, sondern schon zu besitzen.

– Romain Rolland

Die folgenden drei Stufen aus der Skala (17) der Geistigen Reife sind die, welche in allen möglichen Kommunikations-Situationen und Meetings vorherrschen und damit wesentlich das Geschehen bestimmen.

Die Qualität der Treffen und deren Ergebnisse hängt davon ab, wie viel bzw. wie wenig die untere Stufe, die Ebene (2) zum Tragen kommt.

Eine vergleichsweise unreife Gruppe kann ihr Manko manchmal auch dadurch ausgleichen, daß eine Person – im Einverständnis mit den anderen – die Lehrer-Rolle (5) übernimmt, zumindest aber die des Moderators.

Typische Merkmale
der drei Reife-Stufen in einer Kommunikations-Situation:

A – Kleinkind
Die Reife-Ebene (2) in der Kommunikation

Diese Ebene weist sich aus durch z.B….

  • ständiges oder häufiges Nölen, Prötteln und Stänkern aus.
  • Statt auf der sachlichen Ebene (die Sache betreffend) zu bleiben, wird vorwiegend auf der persönlichen Ebene lamentiert.
  • Kaum oder gar nicht ausgebildete Fähigkeit, eine höhere Ebene einzunehmen, als die des Kleinkindes.
  • Die Neigung, den oder jemand anderen abzuwerten.
  • Unklarheit in den tatsächlichen Absichten hinter den Äußerungen.
  • Tendenz, den oder die Teilnehmer von einer sachlichen (konstruktiven) oder weisen Ebene auf eine niedrigere, möglichst auf eine kindliche (alberne), herunter zu ziehen.

B – Erwachsener
Die Reife-Ebene (4) in der Kommunikation

Sie ist erkennbar unter anderem durch…

  • Übernahme von Verantwortung.
  • Der Teilnehmer kann gut an und bei der Sache bleiben, kann das Thema oder die Aufgabe im Blick halten.
  • Er muß nicht alles denken, sagen und schreiben, was ihm in den Kopf kommt, sondern ist in der Lage, unter den Kriterien von Relevanz und Weisheit, eine Auswahl treffen können.
  • Es besteht die Fähigkeit, die Ebenen sehen und auch wechseln zu können.
  • Er ist in der Lage, auf Augenhöhe sein und bleiben zu können.
  • Und vor allem kann er sich kreativ und konstruktiv einbringen.

C – Lehrer
Die Reife-Ebene (5) in der Kommunikation

Die Lehrer-Ebene kommt zum Tragen und wird gebraucht, sobald sich ein Informationsgefälle… oder ein Gefälle in der Reife zeigt. Dieser Typus zeichnet sich aus durch die Fähigkeit,

  • das Ego außen vor lassen zu können,
  • die Stufe der Reife halten zu können,
  • Strukturen erkennen und geben zu können,
  • die Tür zur Weisheit offen halten zu können,
  • niemanden abwerten zu müssen sondern im Gegenteil, jeden in seiner Einmaligkeit (an-)erkennen zu können und
  • sogar inmitten der Kommunikation nach Innen gehen zu können.

Labern

Laßt kein faules Geschwätz aus eurem Mund gehen, sondern redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, damit es Segen bringe denen, die es hören.

– Eph 4,29

Dasselbe gilt selbstverständlich auch für das geschriebene Wort.

Solch ein faules Geschwätz,
das nennt man auch labern.

Das unbewußte Drauflosquasseln findet auf den unteren Ebenen der Geistigen Reife statt.

Der Sprach-Code spielt bezüglich der Höhe der Reife keine Rolle, denn der Gehalt macht es, der geistige Anteil – und nicht der sprachliche, denn der ist von untergeordneter Bedeutung.

Sprache ist
Formsache.

Ob elaboriert oder restringiert, in Bezug auf
die Geistige Reife spielen Codes keine Rolle.

Ob jemand mit Bildzeitungs-Code labert, mit einem distinguierten oder einem elaborierten Code, mit einem „Asi“-Code, oder ob jemand mit akademischem Code labert, macht keinen Unterschied: Labern ist labern.

Ein gutes Gespräch

Für ein gutes Gespräch sind die Pausen genauso wichtig, wie die Worte.

– Heimito von Doderer

Wenn wir uns einigermaßen intelligent verhalten, werden wir uns auch unsere Kommunikations-Muster ansehen und in der Folge zwischen Gespräch und Labern unterscheiden wollen.

Wir können das LABERN ganz einfach ab-
brechen, indem wir Bewußtheit einbringen. 

Das wiederum kann ganz leicht mit einem deutlichen »stopp!« geschehen. Wir müssen nur ein bißchen mutig sein, 😎 denn solche abrupten Darstellungs-Unterbrechungen mag unser Ego gar nicht! Soo gerne sondert es doch alte Erinnerungen und assoziative Gedanken-fetzen-ketten ab – wie unattraktiv diese auch sein mögen.

Ein gutes GESPRÄCH beinhaltet die Achtsamkeit gegenüber allen übrigen Teilnehmern, beinhaltet Bewußtheit und auch Momente der Stille. Je mehr Teilnehmer und je öfter sie in ihrer Mitte sein können, je mehr Präsenz also, desto edler das Gespräch.

Weisheit

Weisheit ist, sich selbst zugunsten von etwas Höherem zurückzunehmen.

 ~ William Saroyan

Manchmal kann es aber hilfreich sein, wenn inmitten einer Arbeitsgruppe eine wache Person sitzt. Diese befindet sich „außerhalb der Kommunikation“, ist also ganz bei sich, in ihrer Mitte.

Der „Lärm“ des Gesprächs hilft dieser einzelnen Person bei der Meditation und die meditierende Person hilft der Gruppe, indem sie sie wortlos an ihre Mitte erinnert.

Dieser Part kann jederzeit getauscht, also von jeder anderen Person übernommen werden.

Sollte sich das Gespräch dennoch mal im Emotionalen verhakeln, kann die „wache Person“ zu einer kurzen Meditation einladen:

Alle Beteiligten schließen die Augen und… tauchen
für wenige Minuten entspannt in ihre eigene Mitte.

Das kann zu jeder Zeit – und wann immer erforderlich – wiederholt werden.

Macht & Reife

Macht ist zunächst erst mal nur eine Kraft,
eine Energie als Potenzial, als Möglichkeit.

Und eine Kraft ist von sich aus neutral. Erst unsere Intention, unsere Absichten, der Stand unserer Geistigen Reife zum Zeitpunkt der Macht, bestimmen die Folgen der Handlungen, die sich aus dieser Machtsituation heraus für die Menschen ergeben.

„Was das Bewußtsein betrifft, gehören die Politiker der untersten Kategorie an. Sie sind clever, sie sind gerissen. Aber sie sind auch gemein und unternehmen alle Anstrengungen für ein einziges Ziel, das darin besteht, noch mehr Macht zu haben. Ihr einziges Verlangen ist mehr Macht – nicht mehr Frieden, mehr Sein, mehr Wahrheit, mehr Liebe. … Andererseits wurden durch die Genialität menschlicher Intelligenz immer mehr technische und wissenschaftliche Verbesserungen errungen, aber letztlich sind alle ihre Entdeckungen in die Hände der Politiker gelangt. … In der Tat sollte das Bewußtsein dem technischen Fortschritt immer ein wenig voraus sein. … Aber wie es zur Zeit aussieht, sind unsere Mächte groß, aber unsere Menschlichkeit ist sehr klein.“

– Osho (Jetzt oder nie, S.127-129)

Aber wir dürfen uns nicht beklagen, denn wir sind es schließlich, die die Macht an den Staat, an die Regierungen, an die Parlamentarier delegieren.

Also haben wir dafür zu sorgen, daß auch die richtigen, also die reiferen Leute die Stühle in den Plenarsälen besetzen.

Wir müssen für das entsprechend wirkungsvolle Auswahlverfahren sorgen, welches gewährleistet, daß die Macht in die Hände solcher gelangt, die auch die erforderliche Reife aufweisen, uns würdig zu vertreten, die also in der Lage sind, das Wohl der gesamten Gemeinschaft im Blick zu halten, eben auf intelligente Weise das Gemeinwohl zu fördern.

Geistige Reife

Macht & Vernunft
Macht korrumpiert?

Geld oder Liebe

Gunter Sachs erzählte mal von einem Freund, einem Maler, den er zu sich zu einer großen Party eingeladen hatte. Er hatte ihm angeboten, so viele Bilder wie möglich aufhängen zu dürfen und ihm ein einige Hoffnung gemacht, daß er an diesem Abend sicherlich sehr viele davon verkaufen könnte. Zum Zeichen, welche Bilder bereits verkauft wurden, klebte Gunter einen kleinen roten Punkt auf eine Ecke des jeweiligen Bildes. Und damit der Freund sich freuen konnte, klebte Gunter schon mal selber ein paar Punkte auf. Im Laufe des Abends stellte er aber fest, daß das mit dem Verkauf wohl doch nicht so richtig funktionieren würde und machte selber damit weiter, hin und wieder einen Punkt aufzukleben. Am Ende der Party teilte Gunter seinem Freund Roy freudig mit, daß alle Bilder verkauft seien, verschwieg aber, daß er selber sie alle gekauft hatte, um seinem Freund zu helfen.

Eine unschuldige Geste der Liebe.

Ein uns allen bekannter Schauspieler, der damals ebenfalls eingeladen war, sagte dazu: „Hätte ich doch bloß auch ein Bild gekauft!“ Der sagte das allerdings aus einem ganz anderen Grund: Schon wenige Jahre nach der Party waren diese Bilder ein Vermögen wert.

Der eine fokussiert auf Liebe, der andere… auf Geld.

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Roy Lichtenstein, Composition, 1969