Wahrheit

Der Wahrheit dienen wenige in Wahrheit, weil nur wenige den reinen Willen haben gerecht zu sein und selbst von diesen wieder die wenigsten die Kraft, gerecht sein zu können.

– Friedrich Nietzsche

Im Ton macht er den Grantler, der Friedrich, doch recht hat er. Ihm geht es hier um die Lauterkeit (reinen Willen) der Intention.

Zweitens geht es um die Geistige Reife (Kraft), das als richtig (gerecht) angesehene, auch tatsächlich tun zu können.

Bestimmt sind es mehr als wir denken, die dazu in der Lage sind, nur bekommen wir solche Leute nicht so oft zu Gesicht.

Eigenständiges Denken

Gotthold Ephraim Lessing, Erziehung, Jugend, Denken, Nirmalo,

Eigentlich ist es eine ehrenvolle Aufgabe der Schule, nach Kräften die Eigenständigkeit der Schüler zu fördern. Die Eigenständigkeit im Denken gehört selbstverständlich in erster Reihe dazu.

Aber nicht nur das Nach-Denken, gleichermaßen sollte das Vor-Denken und drittens das Organisch-Denken gelehrt und geübt werden und:

Zur Eigenständigkeit im Denken gehört voraussetzend das Wissen um die eigene Konditionierung! Denn nichts von ihr zu wissen bedeutet, nicht zu wissen, daß man in festgelegten Spuren – also eben nicht „eigenständig“ – denkt.

Das In-Spuren-Denken…
schließt freies Denken aus.

Es bedarf eines höheren Grades an geistiger Reife, um überhaupt die Notwendigkeit des bewußtem Umgang mit Phänomenen wie der Konditionierung und was uns sonst noch das eigenständige Denken behindert, erkennen und gemeinsam mit den Schülern entsprechend beleuchten zu können.

Daß unsere Lehrer, Schulleiter und Kultusminister diesen Reifegrad aufweisen und in der Folge Bewußtheit an den Schulen thematisiert und gefördert wird, konnte bisher nicht festgestellt werden. Also stecken auch heute noch einige größte Fehler in dem System, das wir Schule nennen, lieber Gotthold Ephraim.

Die Erziehung ist der beste Freund der Entwicklung des Menschen.

– Gotthold Ephraim Lessing

Nicht die Erziehung, sondern:
Liebe ist die beste Freundin der Entwicklung des Menschen.

Gutgesinnte Unterstützung bei der Entfaltung des Menschen – also das, was du wohlwollend gemeint Erziehung nennst, ist unausweichlicher Nebeneffekt.

Doch sowohl dem Wort Erziehung, als auch der Intention, die mit ihr verbunden ist, haftet Gewalt an. Deshalb bevorzuge ich den Begriff… 

Entfaltung

Unterstützung ja, aber die Entfaltung… geschieht von selbst. Je liebevoller (heiter-freudig) die Umgebung, desto leichter geschieht Entfaltung, in der auf verschiedenen Ebenen viel Lernen passiert.

Du kannst dir einen frisch geschlüpften Schmetterling oder die aufbrechende Knospe einer Mohnblume vorstellen: Ziehen verletzt.

Wir können niemandem etwas einpflanzen, wenn die Grundlagen für die Möglichkeit des Wachsens und Blühens nicht bereits angelegt sind. Aber vieles, vielleicht sogar das meiste von dem, was angelegt ist, kann sich unter günstigen Bedingungen optimal entfalten.

Und für einen Teil dieser günstigen Bedingungen dürfen wir uns verantwortlich fühlen.

Die Interessen des Anderen

Pacta sunt servanda.

So einfach. Den Wust an Handels- und Vertragsgesetzen (einschließlich der entsprechenden juristischen Blase) bräuchte es in der aktuell bestehenden Größe nicht zu geben, wenn dem Pactum (Verabredung) gegenüber dem Contractus (klagbarer Vertrag) der höhere Wert zugesprochen würde. Es genügt:

Die Lauterkeit in der Absicht.

Vertrag = kommt von vertragen, sich vertragen, sich die Wahrheit sagen, sich auf die Zusage des Anderen verlassen können (4).

Das bedarf keiner kostspieligen Prozedur und keines Aufwands, es genügt ein Händedruck. Sogar ein Blick in die Augen des Vertragspartners genügt. Ja, eine gewisse Höhe an Geistiger Reife auf beiden Seiten ist hier vorausgesetzt. Dennoch: Die Lauterkeit genügt.

Klage = kommt von klagen, sich beklagen, sich bei einem Dritten beschweren – über die Unzuverlässigkeit und Unehrlichkeit des Anderen (2).

Eine Frage der Intention

Ehrlichkeit und Respekt vor den Interessen des Anderen macht etliche Bereiche der Behörden überflüssig.

Es ist vor allem die dunkle Seite des Menschen, die erst den Staat begründet. Sie macht den starken Staat notwendig, soll eine Gesellschaft (aus großenteils Ego-zentrierten Menschen) nicht im Chaos versinken.

In einer Gesellschaft, die ihren Rahmen etwas intelligenter gestaltet, wird man bereits in den frühen Jahren… die Aufmerksamkeit mehr auf die helle Seite des Menschen lenken.

Erfolg

Erfolg im Leben ist etwas Sein, etwas Schein und sehr viel Schwein.

– Philip Rosenthal

Einerseits betonen wir ständig: „Wir wollen glücklich sein“, starren aber andererseits immer nur auf die eine Seite der Medaille, nämlich auf die, die wir ERFOLG nennen. Das gilt für den Arbeits- und Wirtschaftsbereich genau so, wie für den privaten, den Beziehungsbereich.

Einwand: „Erfolgreiche Menschen…“

Meinst du den den kurzfristigen Erfolg (Beispiel Lottogewinn) oder den langfristigen (Beispiel Goldmedaille)?

Außerdem muß der Bezug geklärt werden. Erfolg in Bezug auf…

  • Erinnerungsvermögen?
  • Bekanntheitsgrad?
  • Muskelaufbau?
  • Weisheit?
  • Applaus?
  • Umsatz?
  • Wissen?
  • Gehalt?
  • usw…

Der langfristige Erfolg zeigt sich auf der halben Strecke, nämlich im Zenit:

  1. Beginn  (Ambition)
  2. Zenit  („Erfolg“)
  3. Ende  („Scheitern“)

Auf der Höhe des Erfolges ist aber nicht so viel Platz, daß man sich breitbeinig präsentieren könnte, denn von nun an geht es natürlich wieder bergab. Nenn noch niemals ist auf Erden irgend etwas im Zenit stehen geblieben. Ganz egal, wie hoch wir einen Ball auch schlagen…, er kommt wieder runter.

In unserer Gesellschaft kennen wir nur den Erfolg. Wir leugnen, was das Zeug hält, die unweigerlich dazugehörende andere Seite, nämlich das SCHEITERN.

Die Zwillings-Seite des Erfolges ist das Scheitern.

Wir können nur zufrieden sein, im Frieden, in Balance, wenn wir das Scheitern genau so achten wie den Erfolg, wenn wir den Abstieg genau so annehmen wie den Aufstieg.

Sollte es denn (unweigerlich !) „doch“ mal passieren, das Scheitern, wird es als nicht vorhersehbare und nicht abwendbare Situation, nämlich als „Katastrophe“ gedeutet: „Etwas, das es eigentlich gar nicht geben darf und kann“.

Manche Leute sind mit dem Erfolg dermaßen identifiziert, daß sie lieber in den Tod gehen, als den Verlust von Ansehen erleben und aushalten zu müssen. Drei Beispiele:

  • Der Pharma-Milliardär Adolf Merckle (01/2009)
  • Der Kommunikationschef der italienischen Banca Monte dei Paschi di Siena (03/2013)
  • Der Finanzvorstand der Zurich-Versicherungsgruppe Pierre Wauthier (08/2013)

Sie wußten wohl nicht, daß sie vom eigenen Ego-Verstand ein bißchen genarrt wurden.

Erfolg = Ansehen + Wohlstand
Bekannt ist nur die Kultur des Erfolges. 

Der Aufstieg wird positiv begleitet und mit guter Reputation goutiert. Das Ego bekommt jede Menge Nahrung und die Ausschüttung von nicht nur finanziellen Gewinnen, sondern auch von Glückshormonen geben uns die Bestätigung, „alles richtig zu machen“. Dagegen:

Scheitern = Missachtung + Existenzverlust
Wir kennen noch keine Kultur des Scheiterns.

In einer reiferen Gesellschaft als der unseren, wird man Veränderungen als das ansehen, was sie sind: selbstverständlich. Man wird keinen „Bund für´s Leben“ mehr „schließen“ (!), weil man die Realität der Dynamik auch in zwischenmenschlichen Beziehungen der Illusion von Statik vorziehen wird.

In Wirklichkeit sind sowohl der Erfolg als auch das Scheitern reine Phantasie-Gebilde; sie sind Einbildungen ohne jede Realität.

Es gibt weder den Erfolg, noch gibt es ein Scheitern:
In Wirklichkeit gibt es nur die stetige Veränderung;
den Anfang und das Ende, dazwischen: Wandlungen.

In diesem Sinne gibt es selbstverständlich auch keine „gescheiterte“ Ehe. Die Beziehungen haben einen Anfang – und alles, was einen Anfang hat, findet natürlicherweise irgendwann auch sein Ende.

Hier äußern sich Platon und Heraklit zu…  Erfolg  📌

Randnotitz:  Erfolg haben wollen… korreliert mit den Stufen (1) und (2) der Geistigen Reife des Menschen.

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Scheitern

Führung von innen und außen, beides kann scheitern.

– Sugata W. Schneider

Scheitern ist erstens nur im Bezug und zweitens nur in Bezug auf ein Ziel möglich.

In Wirklichkeit gibt es also kein Scheitern, aber: 
MÖGLICH ist die Idee, daß scheitern möglich sei. an sich+.jpg

Anerkennung

Der Ruhm muß uns folgen, nicht wir dürfen ihn suchen. Wenn er zufällig nicht folgt, so ist die Handlung, weil sie nicht berühmt geworden, darum nicht weniger schön.

– Plinius der Ältere

Ruhm und Anerkennung zu suchen oder dem Erfolg nachzujagen, offenbart eine (noch) sehr kindliche (2) Reife. Von einer der Weisheit (6) weit entfernt: Der Fokus noch auf dem Ego.

Sollten Ruhm und Anerkennung aber überraschend folgen, galt unsere Ausrichtung etwas anderem, etwas, das mit dem Ego nichts zu tun hat.

Weisheit… schert sich weder um
den Ruhm, noch um Verachtung.

Ja, Plinius, keine Handlung ist deshalb weniger schön, weil ihr keine öffentliche Aufmerksamkeit folgt.

Wenn die Intention stimmt, ist es egal..,
ob Beachtung und Anerkennung folgen.