Liebe & Recht

Die Liebe hat nicht nur Rechte, sie hat auch immer recht.

– Marie von Ebner-Eschenbach

1. Nein, die Liebe hat keine Rechte und kennt auch keine.

Rechte werden vom Verstand ausgebrütet und vom Ego-Verstand eingefordert. Liebe und Verstand sind komplett zweierlei, sie entstammen nicht der selben Ebene: 

Verstand agiert auf der Horizontalen.
Liebe erreicht uns aus der Vertikalen.

2. Ja. Die Liebe hat immer recht.

Recht auf Recht

Niemand hat ein Recht auf alle seine Rechte.

– Van Unbekannt

Wo Herz und Intelligenz verkümmern, verstricken wir uns in´s Recht-haben-müssen.

Einwand: „Entweder man hat eigene Rechte, dann hat man auch ein Recht auf deren Durchsetzung, oder man hat keine Rechte.“

Mal angenommen, du bist verheiratet.
Mal angenommen, du hast ein Kind.
Mal angenommen, es stand die Trennung an.
Mal angenommen, deine Frau hat gerichtlich erwirkt, daß du dein Kind nicht sehen darfst.
Mal angenommen, sie pocht nicht allzu sehr auf ihr Recht; wär´dir das recht?

Von Rechts wegen
hat sie ein Recht auf ihr Recht,
aber nicht von Herz und Intelligenz wegen.

Die Interessen des Anderen

Pacta sunt servanda.

So einfach. Den Wust an Handels- und Vertragsgesetzen (einschließlich der entsprechenden juristischen Blase) bräuchte es in der aktuell bestehenden Größe nicht zu geben, wenn dem Pactum (Verabredung) gegenüber dem Contractus (klagbarer Vertrag) der höhere Wert zugesprochen würde. Es genügt:

Die Lauterkeit in der Absicht.

Vertrag = kommt von vertragen, sich vertragen, sich die Wahrheit sagen, sich auf die Zusage des Anderen verlassen können (4).

Das bedarf keiner kostspieligen Prozedur und keines Aufwands, es genügt ein Händedruck. Sogar ein Blick in die Augen des Vertragspartners genügt. Ja, eine gewisse Höhe an Geistiger Reife auf beiden Seiten ist hier vorausgesetzt. Dennoch: Die Lauterkeit genügt.

Klage = kommt von klagen, sich beklagen, sich bei einem Dritten beschweren – über die Unzuverlässigkeit und Unehrlichkeit des Anderen (2).

Eine Frage der Intention

Ehrlichkeit und Respekt vor den Interessen des Anderen macht etliche Bereiche der Behörden überflüssig.

Es ist vor allem die dunkle Seite des Menschen, die erst den Staat begründet. Sie macht den starken Staat notwendig, soll eine Gesellschaft (aus großenteils Ego-zentrierten Menschen) nicht im Chaos versinken.

In einer Gesellschaft, die ihren Rahmen etwas intelligenter gestaltet, wird man bereits in den frühen Jahren… die Aufmerksamkeit mehr auf die helle Seite des Menschen lenken.

Naturvertrag

Lü Bu We, Welt, Eigentum, Nirmalo,

Es ist noch gar nicht so lange her, daß Sklaven die Sache (Eigentum) ihres Besitzers waren. Und noch vor kurzem waren bei uns die Frauen, juristisch gesehen… eine „Sache“ des (Ehe-) Mannes, folglich ihm gegenüber weisungsgebunden.

Genau so fremd und archaisch, wie uns diese Vorstellungen heute anmuten, wird uns irgendwann auch die Idee fremd vorkommen, daß die Erde, die auf ihr wohnenden Tiere und andere Wesen, früher einmal nicht als achtungswürdige (Rechts-)Subjekte gesehen wurden, sondern als beliebig ausschlachtbare (Sach-)Objekte.

Die Tiere leiden und erfüllen mit Ihrem Seufzen die Lüfte, die Wälder fallen der Vernichtung anheim, die Berge werden geöffnet und ihrer Metalle beraubt, welche in ihren Adern wachsen.
Aber das menschliche Verhalten ist schnell, jene zu loben und zu ehren, welche durch ihr Tun der Natur wie der Menschheit, den größten Schaden zufügen.

— Leonardo DA VINCI   (1452 bis 1519)

Wenn wir nicht warten wollen, bis unsere Gier und unsere Dummheit den Planeten unbewohnbar gemacht haben, sollten wir ein paar weise Menschen delegieren, das Wesen Natur vor uns zu schützen.

Eine Möglichkeit hat Professor Michel Serres, französischer Philosoph und Wissenschaftshistoriker, in seiner Schrift: „Der Naturvertrag“ aufgezeigt, in der er eine rechtspolitische Frage aufwirft. Sein Vorschlag:

In einer internationalen Verfassung müs-
sen die Elemente der Natur vertreten sein.

Auf der Basis eines Naturvertrages fordert er, daß (derzeitig) Natur-OBJEKTE, wie beispielsweise das Meer, als Rechts-SUBJEKTE anzuerkennen seien.

Das bedeutet, daß damit z.B. eine Ölfirma vor einem internationalen Gericht „Im Namen des Meeres“ angeklagt werden könnte. Der Kläger wäre dann zum Beispiel der „Golf von Mexiko“.

Das könnte bedeuten, daß Atomkraftwerk-Betreiber und deren Unterstützer vor einer juristischen Instanz, ähnlich dem internationalen Strafgerichtshof, im Namen des betroffenen Elements, also hier des Erdbodens, der Luft, oder des Wassers angeklagt werden könnten.

Radioaktive „Endlagerungen“ über Millionen von Jahren könnten danach juristisch unter Umständen als „Anschläge auf den Planeten“ gewertet und in der Folge angemessen verfolgt werden…

Ein praktischer Vorschlag auf unserem Weg
zur längst überfälligen Wertschätzung der Natur.

 

Abfall

§ 1 – Es darf grundsätzlich keinen Abfall geben.

Verpackung

§ 2 – Schnell verrottende Materialien haben Vorrang in der Produktion von Verpackung.

Kunststoff-Verpackung

§ 3 – Die Herstellung von chemisch produzierten Kunststoff (Plastik) ist grundsätzlich möglich, jedoch nur dann erlaubt, wenn…

  1. das chemische Produkt für Mensch und Umwelt erwiesenermaßen unbedenklich ist oder nur dem entsprechend genutzt wird.
  2. das chemische Produkt zu 100% als Wertstoff für die Wiederverwertung genutzt werden kann.
  3. das chemische Produkt erwiesenermaßen der Wiederverwertung zugeführt wird.
  4. die Wiederverwertung dieser chemischen Produkte durch entsprechende Stellen erfolgreich kontrolliert wird.

Um dieses zu gewährleisten, bedarf es den
effizient funktionierenden… starken Staat.

Ob das möglich ist? Selbstverständlich ― sofern bzw. sobald der Wille dafür vorhanden ist.

Recht

„Es hat der Dieb ein freies Recht zum Raub, Wenn erst der Richter stiehlt.“

– William Shakespeare

Nein, hat er nicht. Das ist kindisches (2) Denken.

Vorbildliches Verhalten…
ist nicht von Vorbildern abhängig, sondern eine Frage der Reife:

Menschen mit der Geistigen Reife des Erwachsenen
orientieren sich nicht am (Fehl-) Verhalten anderer.

Wenn wir nur gut genug hinsehen, wissen wir alle ganz genau, wann wir uns übergriffig verhalten, wann wir die Sphäre des Anderen verletzen. Es bräuchte keine Rechtsstruktur zu geben.

Diebe, Recht, Rauben, Richter, Strafe… sind Elemente eines künstlichen Gebildes für den Fall, daß wir uns daneben benehmen, daß wir so tun, als wären wir Kinder, die sich selbst als das Wichtigste der Welt ansehen und noch nicht wissen, was richtig und was nicht richtig ist.

Daß andere genau so wichtig sind, wie wir selbst, will erst gelernt sein.

Doch von Menschen mit der Geistigen Reife des Erwachsenen (4) können wir erwarten, daß sie ohne Abhängigkeit von äußeren, aufoktroyierten Richt-Schnüren in den sozialen Interaktionen zurechtkommen.

Reife 📌

Achtung, Mengzi, Mäßigkeit, Nirmalo,

Gesetze – Ersatz für Weisheit

„Gott hat auf die Gesetzestafeln das geschrieben,
was die Menschen nicht in ihrem Herzen lasen.“

Aurelius Augustinus von Hippo

Gesetze – welcher Art auch immer – sind nur deswegen nötig, weil wir glauben, getrennt zu sein.

Die daraus resultierende Angst verleitet uns dazu, das Eigenwohl über das Gemeinwohl zu stellen. Damit überantworten wir uns den primitivsten Überlebens-Instinkten und deren Verformungen, die wir als Machtmißbrauch, Egoismus, Gier, Mißgunst und Geiz kennen.

Auf dieser Basis kann keine Gesellschaft funktionieren, die auf Zu-Frieden-heit, auf Balance, auf Harmonie aus ist: Es bilden sich Gruppierungen, die – auf Kosten der Allgemeinheit – das „Recht des Stärkeren“ durchsetzen.

Um dies zu verhindern, hat man den (starken) Staat geschaffen. Er wurde installiert, um – stellvertretend für alle, also im Namen aller – die stärkste ordnende Hand zu bilden.

Das „Recht des Stärksten“ wird nun in den Staat projiziert. Alle Kräfte müssen sich ihm und seinen Gesetzen unterwerfen, bzw. der Staat setzt sie machtvoll durch.

Um wiederum zu verhindern, daß der Staat selbst zum Despoten wird, ist es erforderlich, daß das Herz oder die Weisheit (sie sind letztlich Synonyme) nicht draußen vor den Parlamenten bleiben!

Bisher sollten „Parteien“ eine der Sicherungen vor möglichem Macht-Mißbrauch des Staates bilden. Inzwischen sind wir aber an einem Scheideweg angelangt:

Die Parteien selbst bilden die Blockaden, welche schnelle und intelligente Lösungen von Problemen verhindern und statt dessen über den Einfluß Dritter und deren nicht offen sichtlicher Interessen, zusätzlich neue generieren. Die eingangs genannten Auswüchse dringen über die Parteien und andere Interessengruppen immer stärker in die Parlamente ein.

Wir schulden es dem Bürger und dessen zunehmender Aufmerksamkeit und benötigen deshalb dringend…

  1. Weisheit in die Parlamente
  2. Echte (!) Bürgerbeteiligung
  3. Größtmögliche Transparenz

Echte (!) Bürgerbeteiligung  📌

Recht & Freiheit

„Recht hat wenig Sinn, wenn es die Freiheit nicht schützt.“

– Thomas Dehler

Wenn das Recht lediglich „keinen Sinn“ hätte, wäre es noch gar nicht so schlimm. Aber ein Recht, das die Freiheit nicht schützt, wird unmittelbar zu einer großen Gefahr!

Grundsätzlich bildet jedes Recht
eine Einschränkung der Freiheit.

In einer liebenden Gesellschaft gibt es kein Recht – weil es nicht gebraucht wird. Das wäre ja sonst, als wollte man in einem lichtdurchfluteten Raum für künstliche Beleuchtung sorgen wollen.

Das Recht als solches
hat also keinen Wert.

Der Wert des Rechtes
entsteht durch Defizit.

Das Recht gewinnt seine Berechtigung erst auf Grund von Unreife einer Gesellschaft, nämlich durch die Unfähigkeit, ohne diese (durch latente Gewalt gestützte) Struktur harmonisch interagieren zu können.

Der Umfang des Rechts ist ein Spiegel für
die Reife bzw. Unreife einer Gesellschaft.

Die Aufgabe des Rechts besteht in der Balance-Haltung von Freiheit und Unfreiheit mit der Maßgabe der Befriedung der Gesellschaft. Die Einschränkungen sollen also gleichzeitig die freie Entfaltung ermöglichen.

Das Recht muß
bei geringst möglicher Einschränkung
den größtmöglichen Entfaltungsraum gewährleisten.

Durch permanente Justierung, diese Balance zu halten, ist Aufgabe der Legislative.

„Wem Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann vor allem das Recht, anderen Leuten das zu sagen, was sie nicht hören wollen.“

– George Orwell

Das ist Quatsch. Ein armseliger, eingeengter Freiheits-Begriff mit dem Potenzial der Übergriffigkeit, mit einer Latenz in Richtung Gewalt.

RECHT

Die Basis des Rechtssystems ist, daß ich in meiner Handlungs-Freiheit nicht über die des Anderen hinwegwalzen darf:

Die Freiheit des Anderen…
ist der meinen gleichwertig.

Wer das weiß, braucht kein Rechtssystem. – Aber wer weiß das schon?!

Die Einsicht… liegt bei den Wenigen.
Das Recht ist Notbehelf für die Masse.