Grenzen

Ein denkender Mensch kann sowohl den Gipfel eines Berges als auch die Nasenspitze einer Fliege erklimmen.

– André Breton

Erinnert mich an den übermütigen Archimedes, der meinte, nur eine Brechstange zu brauchen, um die Welt aus den Angeln hebeln zu können.

Wer wie blind in das Denken vernarrt ist, und sich nicht um Verantwortung schert, weil ihn die Folgen nicht interessieren, kann sich schon mal zu solchen Formulierungen versteigen, doch: Eine Gedankenkonstruktion bleibt eine Imagination, bleibt ein Hirngespinst.

Wie fatal sich unachtsames Drauflosdenken auswirken kann, sehen wir daran, daß die Menschheit immer noch dabei ist, diesen Planeten mit riesigen Brechstangen zu traktieren; seine Verwüstung in Kauf nehmend. 

Einwand: „Vorstellungskraft kennt keine Begrenzung und kein Hindernis.“

Doch, selbstverständlich gibt es sie, die Grenzen unseres Vorstellungs-Vermögens:

Du kannst dir nichts vorstellen…,
was du dir nicht vorstellen kannst.

Die Grenzen unserer Sinne und unserer Erinnerung bilden die Grenzen unseres Vorstellungsvermögens. Hinzu kommen noch die Grenzen der Konditionierung und jene, die wir uns selbst gesteckt haben und nun „mein Weltbild“ nennen. Unser Vorstellungs-Vermögen ist eng begrenzt. Oder würden wir den Planeten zugrunde richten, wenn wir uns die Auswirkungen unseres Handelns vorstellen könnten?

Albert Einstein sagte mal, daß er die besten Einfälle habe, wenn er entspannt in seiner Badewanne liegend, mit den Seifenblasen spielte.

Unser Verstand ist ein nur ausführendes Organ.
Die Ideen, die Einfälle… kommen woanders her.

Der Verstand ist hauptsächlich ein NACH-Denk-Werkzeug. Es eignet sich bestens für alle möglichen kognitiven NACHarbeiten.

Intelligenz steckt nicht im Werkzeug,
sondern in der Art der  Handhabung.

Wir gehen dann intelligent mit einem Werkzeug um, wenn wir nicht nur seine in ihm steckenden Möglichkeiten, sondern auch die Grenzen seiner Möglichkeiten sehen und akzeptieren können.

Einwand: „Wir können denken was wir wollen.“

Das denken viele, daß sie das könnten, doch das kann nicht einmal der Herr Professor Dr. Gscheit. 🤗 Die Grenzen liegen nicht in der/einer Person begründet, sondern in den Möglichkeiten des Verstandes als solchem.

Wir können zwar einerseits die Möglichkeiten des Verstandes ausloten, können aber andererseits nicht mit ihm oder durch ihn selbst seine Grenzen erkennen. So wenig, wie der Hamster in seinem Rad durch schnelleres Rennen… das Ende der Strecke erreichen kann.

Ein bedeutender Aspekt der Nutzung von Intelligenz ist:

Grenzen als solche
erkennen können.

Dazu müssen wir die Ebene wechseln. Wenigstens das haben wir dem Hamster voraus: Wir verstehen ein bißchen was von Dimensionswechsel. Noch etwas…

Vielleicht können wir tun, was wir tun wollen,
aber wir können nicht wollen, was wir wollen.

Eigenständiges Denken

Gotthold Ephraim Lessing, Erziehung, Jugend, Denken, Nirmalo,

Eigentlich ist es eine ehrenvolle Aufgabe der Schule, nach Kräften die Eigenständigkeit der Schüler zu fördern. Die Eigenständigkeit im Denken gehört selbstverständlich in erster Reihe dazu.

Aber nicht nur das Nach-Denken, gleichermaßen sollte das Vor-Denken und drittens das Organisch-Denken gelehrt und geübt werden und:

Zur Eigenständigkeit im Denken gehört voraussetzend das Wissen um die eigene Konditionierung! Denn nichts von ihr zu wissen bedeutet, nicht zu wissen, daß man in festgelegten Spuren – also eben nicht „eigenständig“ – denkt.

Das In-Spuren-Denken…
schließt freies Denken aus.

Es bedarf eines höheren Grades an geistiger Reife, um überhaupt die Notwendigkeit des bewußtem Umgang mit Phänomenen wie der Konditionierung und was uns sonst noch das eigenständige Denken behindert, erkennen und gemeinsam mit den Schülern entsprechend beleuchten zu können.

Daß unsere Lehrer, Schulleiter und Kultusminister diesen Reifegrad aufweisen und in der Folge Bewußtheit an den Schulen thematisiert und gefördert wird, konnte bisher nicht festgestellt werden. Also stecken auch heute noch einige größte Fehler in dem System, das wir Schule nennen, lieber Gotthold Ephraim.

Die Erziehung ist der beste Freund der Entwicklung des Menschen.

– Gotthold Ephraim Lessing

Nicht die Erziehung, sondern:
Liebe ist die beste Freundin der Entwicklung des Menschen.

Gutgesinnte Unterstützung bei der Entfaltung des Menschen – also das, was du wohlwollend gemeint Erziehung nennst, ist unausweichlicher Nebeneffekt.

Doch sowohl dem Wort Erziehung, als auch der Intention, die mit ihr verbunden ist, haftet Gewalt an. Deshalb bevorzuge ich den Begriff… 

Entfaltung

Unterstützung ja, aber die Entfaltung… geschieht von selbst. Je liebevoller (heiter-freudig) die Umgebung, desto leichter geschieht Entfaltung, in der auf verschiedenen Ebenen viel Lernen passiert.

Du kannst dir einen frisch geschlüpften Schmetterling oder die aufbrechende Knospe einer Mohnblume vorstellen: Ziehen verletzt.

Wir können niemandem etwas einpflanzen, wenn die Grundlagen für die Möglichkeit des Wachsens und Blühens nicht bereits angelegt sind. Aber vieles, vielleicht sogar das meiste von dem, was angelegt ist, kann sich unter günstigen Bedingungen optimal entfalten.

Und für einen Teil dieser günstigen Bedingungen dürfen wir uns verantwortlich fühlen.

Verstehen

Die Natur ist so gemacht, daß sie verstanden werden kann. Oder vielleicht sollte ich richtiger umgekehrt sagen, unser Denken ist so gemacht, daß es die Natur verstehen kann.

– Werner Heisenberg

Weder – noch. Unser Denken hat nicht die Größe, die wir ihm zumessen.

Wenn wir im Verstand gefangen sind, können wir seine Grenzen nicht erkennen. Und er ist so beschaffen, daß er sich unendlich beschäftigt halten kann – mit was auch immer!

Doch die Natur ist nicht „so gemacht“, daß wir sie verstehen können. Und unser Denken ist auch nicht so gemacht, daß wir verstehen können: Wir kratzen bloß ein bißchen an der Oberfläche.

Oft bringt das Wenige, das wir zu verstehen glauben, uns und unsere Umgebung bereits in Schwierigkeiten, weil wir mit der Einordnung dessen in die komplexe Natur schon heillos überfordert sind. Unser kleiner Verstand kann nur kleinste Ausschnitte des Komlexen und die auch nur auf seine eingeschränkte Weise verstehen.

Aber wir haben die Einbildungskraft, wir könnten gar das Ganze verstehen, weil die eine oder andere unserer Ableitungen funktioniert. Manch einer glaubt sogar, die ganze Welt auf eine seiner Formeln bringen zu können. 

Könnten wir die Natur verstehen, gäbe es hier keine Kernspaltung. Wir würden weder unsere Äcker, noch das Wasser vergiften. Und die Kernschmelze würden wir der Sonne überlassen; sie kann das… problemlos.

Die Bombe funktioniert, aber
wir haben nichts verstanden.

Würden wir nur ein wenig verstehen, wir würden die aggressive Haltung der Natur gegenüber augenblicklich fallen lassen.

Es gefällt dem Verstand nicht – weil er sich nach der Occupation durch das Ego für den Größten hält – aber wir müssen die Weisheit einbeziehen, soll uns der Verstand vorwiegend von Nutzen und weniger zum Schaden sein.

Ja, er hat seine Fähigkeiten, aber nicht
die, seine Grenzen erkennen zu können.

Verstand

Indset, Verstand, Nirmalo,

Das Problem: Den Verstand haben wir in den letzten Jahrzehnten schon sehr gut eingesetzt. Mit ihm haben wir uns die gegenwärtige Situation eingebrockt. Er steckt jetzt in den wirtschaftlichen und (zunehmend!) allen technischen Systemen.

Noch mehr Verstand macht keinen Sinn.

Wir müssen uns, zur Abwechslung, an die höheren Frequenzen erinnern: Intelligenz, Weisheit, Empathie, Achtsamkeit, Wohlwollen, Respekt, Dankbarkeit…

Tun wir das nicht, bringen wir uns um.

Wir haben dem Diener Verstand erlaubt, die Herrschaft zu übernehmen. Erinnern wir uns unserer Souveränität, werden wir ihm die (durch uns verliehene!) Macht wieder entziehen.

Probleme kann man niemals
mit derselben Denkweise lösen,
durch die sie entstanden sind.

– Albert Einstein –

Klar, der Mann hatte dies in einem anderen Kontext formuliert, dennoch trifft es hier exakt zu:

Wollen wir ein Problem lösen…,
müssen wir die Ebene wechseln.

Und
der Verstand
muß zurückgestuft werden.
Auf seine bloß  d i e n e n d e  Funktion.

Neue Gedanken

Man soll einen neuen Gedanken
nicht deshalb gering schätzen, weil
er von einem Dummkopf kommt.

– Arthur Schopenhauer

Ein halbwegs intelligent verfahrender Mensch wird niemals einen neuen Gedanken gering schätzen – von wem auch immer dieser kommen mag.

Ein neuer oder ungewöhnlicher Gedanke sollte nüchtern auf seinen Gehalt geprüft werden. Das Medium und dessen Reputation spielen dabei keine Rolle.

Intellekt

Ein Intellektueller zu sein ist eine Berufung für jedermann: Es bedeutet, den eigenen Verstand zu gebrauchen, um Angelegenheiten voranzubringen, die für die Menschheit wichtig sind. Einige Leute sind privilegiert, mächtig und gewöhnlich konformistisch genug, um ihren Weg in die Öffentlichkeit zu nehmen. Das macht sie keineswegs intellektueller als einen Taxifahrer, der zufällig über die gleichen Dinge nachdenkt und das möglicherweise klüger und weniger oberflächlich als sie. Denn das ist eine Frage der Macht. 

— Noam Chomsky
  • Intellektuelles
  • Freies Denken
  • Weisheit
  • Macht

Der Intellektuelle steckt selbstverliebt in seinem konstruierten Glaubens-Bekenntnis von der Allmacht des Verstandes fest. Von ihm ist in deinem Sinne nicht viel zu erwarten.

Ja, Freies Denken ist eine – zumeist ungehörte – Berufung an Jedermann. Jenes Megaphon hat  damals schon der Herr Kant vergeblich bemüht. Die Leute verehren lieber den Gutenberg und lesen, anstatt sich „die Mühe“ zu machen, selber zu denken. Sie lassen lieber denken.

Eigenständiges Denken ist
eine seltene Erscheinung.

Die Wahrscheinlichkeit, daß ein „einfacher Mensch“ (Taxifahrer) weiser sein kann als ein intellektueller Mensch, ist nicht gering. Denn auch in Sachen Weisheit… stehen die Türen für Jedermann weit offen.

Der Intellektuelle kann
nicht… auch weise sein.

Er beschäftigt sich vornehmlich mit vermeintlichem Wissen und „Weisheit“ aus zweiter Hand. Unter Zuhilfenahme einer gewissen Rhetorik will er überzeugen und versucht, sich damit ins rechte Licht zu setzen.

Weisheit und Intellekt…
gehen nicht zusammen.

Denn die Weisheit wird aus anderen Quellen (aber keinesfalls aus dem Verstand) gespeist. Wer sich diesen Quellen öffnet, befindet sich – zumindest in diesem Augenblick – jenseits des Intellekts.

Ein Intellektueller, der sich auf Weisheit einläßt, läßt sich zwangsläufig auf die Wahrheit ein. Damit läßt er die trockene Haut der Intellektuellen-Attitüde unwiederbringlich hinter sich.

Was du wohl (mit deinen Worten) suchst ist der Mensch, dem eigenständiges Denken nicht fremd, die Weisheit also vertraut ist und in Verbindung mit herz-geleitetem Gemeinwohl-Interesse und Engagement die Dinge nach vorne bringt. Ja, ein solcher Mensch wird eine ihm möglicherweise verliehene Macht segensreich einsetzen.

Er zeigt die dafür erforderliche Reife.