Multi-resistent

Wenn ein Arzt hinter dem Sarg seines Patienten geht,
so folgt manchmal tatsächlich die Ursache der Wirkung.

~ Robert Koch

Hier geht es um Leben oder Tod von zigtausenden von Menschen, die – vorwiegend in Kliniken und Krankenhäusern – aufgrund von Unachtsamkeit im hygienischen Bereich und wegen der Ignoranz diesem Problem gegenüber, sterben.

Als ich vor wenigen Jahren in einem Hannover´schen Krankenhaus am Bett meiner Mutter stand (sie wollte sich etwas am Herzen machen lassen), war ich nicht wenig überrascht, als mir der zuständige Arzt leutselig die Hand gab. Frage: Wollte der Mann Keime für sein Krankenhaus aufnehmen oder… welche weitergeben? — Möglicherweise ein Angestellter des Sensenmannes.

Jährlich infizieren sich etwa eine Million Menschen in Krankenhäusern und Kliniken. Nach Schätzung der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaus-Hygiene stirbt bei uns  jedes Jahr eine Kleinstadt, nämlich 40.000 Menschen – allein an multi-resistenten Krankenhaus-Keimen. 

Das sind viele Tote auf Grund unserer hygienischen Voraussetzungen.

Hippokr.Eid_460T+Doris+R.jpg

Jeder zehnte bis zwanzigste Patient steckt sich dort mit diesen Bakterien an. Dabei kostet z.B. eine Eingangsuntersuchung auf das multi-resistente Bakterium Staphylococcus aureus (MRSA) gerade mal 12 Euro !

Regional unterschiedliche Hygiene-Richtlinien für öffentliche Einrichtungen machen keinen Sinn; sie sollten statt dessen einheitlich und die wirkungsvollsten (!) sein. Denn die Keime sind überall die gleichen; sie verhalten sich nicht länderspezifisch – wie z.B. Lokalpolitiker. Die Kriterien für sie sollten sein:

  1. Gesundheitlicher Wirkungsgrad
  2. Handhabbarkeit
  3. Wirtschaftliche Effizienz

Und wenn es uns schon nicht gelingt, selber intelligente Lösungen zu entwickeln, sollten wir wenigstens unseren National-Stolz fahren lassen und anerkennend über den Zaun in die Niederlande blicken:

Den Niederländern ist es gelungen, einen diesbezüglich relevanten Wert von 60-70% auf 1% (!) zu senken. Sie verstehen etwas – nicht nur von Wasser, Käse und Tulpen, sondern auch – von Hygiene:

Jemand, der einen Aufenthalt in einer deutschen Klinik von mehr als 24 Stunden vorweisen kann, kommt in einer Holländischen Klinik als Gefahren-Potenzial höchsten Grades erst einmal in Quarantäne. Das ist kein Witz, sondern derzeitige Realität.

Hygiene_480+

Manchmal muß man die Pedanten fragen: Sie verstehen etwas von Details.

Immerhin: In Münster war man sich nicht zu schade, die Niederländer zu fragen und konnte deshalb die Hygiene-bedingte Todesrate bereits um 50% senken. Und auch in einer norddeutschen Stadt läßt man sich von einem Niederländischen Professor beraten.

Selbst überall dort ist noch viel Luft nach oben! Doch die Holländischen Werte wurden bisher noch nirgends sonst erreicht.

Ende 2017 wurde die Zahl der MRSA-Toten global auf 10 Millionen geschätzt. Das ist eine Stadt wie London. Jährlich!

Latente Probleme:

  • Für die Kläranlagen muß die vierte Reinigungsstufe zur Pflicht werden, damit sich die resistenten Keime nicht noch weiter ausbreiten können. In den Bächen sind sie schon nachgewiesen.
  • Betrifft die in der Landwirtschaft (Tier-Betrieben) Tätigen: Die Hälfte all dieser Menschen soll bereits Träger der gefährlichen Bakterien sein.
  • Es ist offensichtlich, daß wir schleunigst den Umgang mit sämtlichen Antibiotika – und zwar grundlegend neu und in allen Bereichen – zu überdenken haben. 

Hier müssen wir uns auch dieser Frage stellen: Steht der „wirtschaftliche Erfolg“ einiger landwirtschaftlicher Betriebe höher im Wert als das Leben, die Gesundheit und das Wohlergehen der Bevölkerung?

Zudem stellt sich anhand dieser Katastrophe wieder einmal die grundlegende Frage nach dem Wert unserer Wissenschaft, nach ihrem Weltbild, nach der Tragfähigkeit ihrer Pfeiler, ihrer Prämissen und Methoden, kurz…, nach der Höhe der ihr immanenten Intelligenz.

Immerhin ist es offensichtlich, daß das lineare Denken nur kurzfristig Erfolg bringt. Solange wir uns weigern, auch organisch zu denken, richtet diese Art Wissenschaft – langfristig gesehen – mehr Schaden an, als sie nützt.